Vereinshistorie

Wenige Wochen nach der Auflösung des Rasensportvereins Lieme- Hörstmar wurde am 08.05.1928 der Rasensportverein Lieme neu gegründet. Dieser Gründungstag ist keineswegs als Beginn der sportlichen Arbeit in Lieme anzusehen, obwohl er seit vielen Jahren gefeiert wird. Vielmehr ist der VfL Lieme aus mehreren Vereinen entstanden: dem Fußballverein Germania- Lieme, den Rasensportverein Lieme- Hörstmar und dem Rasensportverein Lieme, dem Turnverein Jahn Lieme und dem Arbeitersportverein Schwarz- Weiß Lieme.

 

Germania Lieme

Der Fußballverein Germania Lieme wurde am 31.07.1914 von fußballbegeisterten, jungen Männern gegründet. Mitbegründer waren unter anderem Wilhelm Steinmeier, Gustav Petersen, August und Wilhelm Starke. Es wurde gespielt, wo eine Wiese oder ein nicht bestelltes Feld zur Verfügung stand, denn ein Sportplatz war noch nicht vorhanden. Der Spielbetrieb musste nach Ausbruch des Krieges jedoch bald wieder eingestellt werden, da einige der Spieler Soldat werden mussten. Das Vereinsleben, sofern man davon sprechen kann, schlief wieder ein und wurde nach Ende des Krieges auch nicht wieder aufgenommen.

 

Rasensportverein Lieme- Hörstmar

Der Rasensportverein Lieme- Hörstmar wurde um die Jahreswende 1920/ 21 als neuer Fußballverein aus der Taufe gehoben. Vorsitzender war Hermann Wieseler, später folgten Heinrich Diekmann und August Schafmeister. Die ersten Bemühungen galten der Errichtung eines Sportplatzes. Die Liemer Landwirte konnten kein Gelände für eine Sportplatzanlage zur Verfügung stellen und so wandte man sich am 02.08.1920 an das Lippische Landespräsidium in Detmold und beantragte, dem Verein die Errichtung eines Sportplatzes in der Oberen Büllinghauserheide zu gestatten. Dieser Antrag wurde jedoch mit Hinweis auf die angespannte Ernährungslage abgelehnt. Die Spieler des RSV griffen darauf hin zur Selbsthilfe und spielten, dem Ärger des Pächters der Domäne – Karl Müller – zum Trotz, ohne Erlaubnis in der Unteren Büllinghauserheide. Die Gemeinde Lieme wies dem Verein daraufhin einen Sportplatz in der Oberen Büllinghauserheide zu, weigerte sich aber, die Pacht hierfür zu übernehmen. Erst im Jahr 1921 konnten alle Streitigkeiten beigelegt und der geregelte Spielbetrieb aufgenommen werden. Die „Ehe“ Lieme – Hörstmar hielt nur bis zum 01.06.1928. Danach löste sich der Verein wegen unüberwindbarer Differenzen zwischen den Liemer und Hörstmaraner Spielern auf.

 

Rasensportverein Lieme

Vier Wochen später, am 28.06.1928 gründeten die Liemer Fußballer einen eigenen Verein, den RSV Lieme, der die Arbeit des RSV Lieme- Hörstmar erfolgreich fortsetzte.

Bereits in der Saison 1928/ 29 nahm der Verein den Spielbetrieb mit 2 Senioren-, 2 Jugendmannschaften und 1 Schülermannschaft auf. Die 1. Mannschaft gewann auf Anhieb die Meisterschaft der 2. Gauklasse und stieg in die 1. Gauklasse auf. Vorsitzende des RSV Lieme waren Ernst Steinmeier (1928 – 1932) und Gustav Meise (1932 – 1934). Sie hatten große Mühe, den zwar sportlich leistungsstarken, finanziell aber sehr schwachen Verein in den Jahren der Arbeitslosigkeit und der wirtschaftlichen Not aktionsfähig zu halten.

 

Schwarz- Weiß Lieme

Die Polarisierung des politischen Lebens in den letzten Jahren der Weimarer Republik führte in Lieme zur Gründung eines zweiten Fußballvereins, des Arbeiter- Sportvereins Schwarz- Weiß Lieme. Vorsitzender war Wilhelm Dreweskracht.
Da das Dorf aber zu klein war, um auf Dauer ausreichend Spieler für zwei Vereine stellen zu können, fristete der Arbeiter- Sportverein Lieme stets ein Schattendasein und stellte die Vereinsarbeit schon nach kurzer Zeit wieder ein.

 

TV Jahn Lieme

Auf Initiative von Wilhelm Doht, Fritz Brockmeier, Simon Diekmann, Gustav Wehmeier und und Fritz Siek wurde 1921 der Turnverein Jahn Lieme gegründet. Doht und Diekmann schossen dem Verein das notwendige Geld vor und erwarben vom TV Leopoldshöhe einige gebrauchte Turngeräte. So schufen sie die Möglichkeit, den Turnbetrieb zu eröffnen. Bis zum Bau der Turnhalle im Jahre 1960 wurde im Saal des Liemer Krugs geturnt. Zeitweilig betrieb der Turnverein Lieme neben dem Geräteturnen auch das Handball- und Faustballspiel. Die Handballmannschaften hatten jedoch oft erhebliche Aufstellungsschwierigkeiten, da es im dorf nicht genügend Handballspieler gab.

 

Verein für Leibesübungen Lieme

Nach 1933 wurden alle deutschen Sportverbände und -vereine zwangsweise im Reichsbund für Leibesübungen zusammengefasst. In Lieme kam es 1934 unter maßgeblichem Druck der Kreisführung des Kreises Lippe zum Zusammenschluss des Rasensportvereins Lieme und des TV Jahn Lieme. Zum Vorsitzenden dieses neuen Vereins wurde Fritz Klusmeier gewählt, ihm wurde die Tätigkeit aber aus politischen Gründen versagt, so dass Fritz Hofemann in einer neuen Wahl zum Vorsitzenden bestellt wurde. Dieser stellte sich jedoch aufgrund der häufigen Differenzen zwischen den Hand- und Fußballmannschaften 1935 nicht zu Wiederwahl. Seine Nachfolger waren Georg Rhieme 1935 – 1936 und Heinrich Siekmann 1936 – 1973. Eine lippische Tageszeitung schrieb einmal, auf dem Gebiet der Leichtathletik habe der VfL Lieme Pionierarbeit geleistet: „Es gibt wohl keinen anderen Landverein, der es mit dem Liemer in den volkstümlichen Wettkämpfen aufnehmen könnte“, heißt es dort weiter. Zur Förderung der Leichtathletik schrieb der VfL den lippischen Sprinterpreis aus, der in der Zeit vor dem 2. Weltkrieg mehrfach in Lieme vergeben wurde. Da fast alle Sportler im wehrpflichtigen Alter nach Kriegsbeginn eingezogen oder dienstverpflichtet wurden, brachte der 2. Weltkrieg das Vereinsleben nahezu zu Erliegen. Der Spielbetrieb der Fußball- Seniorenmannschaft und das Männerturnen mussten sofort eingestellt werden, die Jugendturner und -fußballer konnten ihren Übungs- und Spielbetrieb mit erheblichen Behinderungen noch kurze Zeit aufrechterhalten. Im Frühjahr 1944 wurde der Sportplatz dann umgepflügt und landwirtschaftlich genutzt.

Ende 1945 konnte das Vereinsleben unter großen Schwierigkeiten wieder in Gang gebracht werden. Heinrich Siekmann übernahm erneut den Vorsitz. Gespielt wurde zu dieser Zeit zunächst auf einem Behelfsplatz an der Birmeine, welchen der Landwirt Fritz Brand zur Verfügung stellte. Heinrich Siekmann – inzwischen Bürgermeister des Dorfes – förderte das sportliche Leben wo er nur konnte: 1947 wurde der Sportplatz in der Liemer Wisch wiederhergestellt, 1950 ein Sporthaus, 1955/ 56 ein Freibad und 1960 die Turnhalle errichtet. Das Sporthaus wurde 1969 noch einmal vergrößert und renoviert.

Die Turnabteilung, die durch den Krieg fast die gesamte Männerriege verloren hatte, konnte diesen Verlust nicht wieder ausgleichen, da es an erfahrenen Übungsleitern fehlte. Die Turnabteilung entwickelte sich ab 1950 immer mehr zu einer Kinder- und Frauenturnabteilung, während da Männerturnen immer weniger besucht und 1965 schließlich eingestellt wurde. Der Fußball hingegen nahm in den Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg enormen Aufschwung. 12 Mannschaften spielten zeitweilig für den VfL, 1970 wurde sogar eine Damen- Fußballmannschaft gegründet, welche bald in der Bezirksliga spielte und 1973 Ostwestfalenmeister wurde.

(Quelle: F. Starke – „Lieme – Eine Dorfgeschichte in Einzeldarstellungen“)